Geschichten der Briganten

Briganti

Der Ausdruck „Brigant“ steht für Räuber oder Gesetzloser und ist auch die Bezeichnung für Widerstandskämpfer, welche in Sizilien zur Zeit des Risorgimento für die neapolitanischen und bourbonischen Rebellen verwendet wurde. Im unwegsamen Berggelände, vor allem in Süditalien, war das Brigantenwesen stark verbreitet und entwickelte sich im 19. Jahrhundert auch zu einer politischen Bewegung. Verelendete Bauern, Tagelöhner und Anarchisten wehrten sich gegen die Aristokratie und lehnten sich gegen das Establishment auf, sie trugen wesentlich zu der Einigung Italiens bei. Da König Viktor Emanuel II jedoch aus Sicht der Briganti bedeutende Demokratisierungsprozesse und Landreformen nicht voran brachte, kämpfen diese auch nach der Einigung weiter gegen die Obrigkeit. Die Banditen waren gut organisiert, so waren sie beispielsweise oft beritten. Bekannte Briganten waren Carmine Crocco, Fra Diavolo nach welchem auch eine Oper benannt ist, Simon Kramer auch unter dem Namen Krapfenbäck Simerle bekannt, Maria Oliverio mit dem Spitznamen Ciccilla, Stefano Pelloni auch Il Passatore genannt sowie Giuseppe Musolino mit dem Übernamen Peppe Musulinu. Viele Briganti, die der Verhaftung entgehen konnten wanderten anschliessend in die USA aus. Sie haben das bestehende System in Frage gestellt und durch Ihren Kampf den Weg für neues geebnet. Der politische Mythos lebt bis heute in Form von Liedern, Freilichttheatern und Themenparks weiter. 

Ciccilla

Ciccilla, mit bürgerlichem Namen Maria Olivero, war eine berüchtigte Räuberheldin aus Kalabrien. Verliebt in den jungen Besitzlosen Pietro Monaco, wendete sie sich dem Brigantentum zu und lebte mit Ihm in den Wäldern. Sie engagierte sich als seine rechte Hand im Widerstandskampf gegen die Vorherrschaft der Piemonteser. Die Hegemonialmacht wurde von den Bourbonen und dem Vatikan bekämpft und erhielt Unterstützung von den Briganti aus den süditalienischen Provinzen. Ciccilla machte sich als Giftexpertin einen Namen, so prüfte sie nota bene ob die Speisen ihres verfolgten Gemahlen nicht mit irgendwelchen gefährlichen Substanzen versehen war. Dennoch wurden die beiden von einem Mitkämpfer verraten und Ciccilla wurde schwerverletzt in das Verliess von Policastro gesperrt. In Andenken an Ihren Ehegatten, welcher dem Verrat zum Opfer fiel und seinen Verletzungen erlag, nannte sie sich fortan Maria Monaco. Sie verstarb in dem Kerker und wurde in einem kalabrischen Volkslied verewigt. Ihr Kampfgeist, die Hartnäckigkeit, die Energie und Leidenschaft mit welchen sie ihre Ideen vertrat, werden nach wie vor respektiert und bewundert.

Crocco

Der Räuberanführer aus dem tiefsten Süden Carmine Crocco, im Volk auch „Re dei Re“, König der Könige genannt, wuchs in ärmlichen Verhältnissen in der Gegend von Rionero in Vulture auf. In der Basilikata verdingte er sich zuerst zusammen mit seinem Bruder als Hirte und später als Söldner im Heer von Ferdinand II. Im Einsatz war er auf Sizilien in Palermo und Gaeta. Aufgrund einer Familienfehde wurde Carmine zum Gesetzesbrecher und musste flüchten. Nahe Forenza schloss er sich mit anderen Briganten wie Ninco Nanco und Vincenzo Mastronardi zu einer Bande zusammen, welche fortan vom bewaffneten Raub lebten. 

Crocco war massgebend an der Einigung Italiens beteiligt und schloss sich mit seinen Getreuen dem Freischärler und Volkshelden Giuseppe Garibaldi an. Carmine Crocco war Vordenker und Vorkämpfer der italienischen Einigung. Crocco befehligte zweitweise bis zu 43 Banden, auch er wurde als eine Art Robin Hood Italiens verehrt und lebt in Legenden weiter. Während seiner fast vierzigjährigen Haft verfasste er seine Memoiren, welche sich noch heute grosser Popularität erfreuen. 

Il Passatore

Der legendäre Räuberheld „Il Passatore“ hiess mit bürgerlichem Namen Stefano Pelloni und trieb im 19 Jahrhundert in den Wäldern Norditaliens sein Unwesen. Er ist auch unter dem Namen „Il Passatore Cortese“ oder als der „Fährschiffer“ bekannt. 

In seiner Heimat, der Romagna, gilt er als Volksheld und Namenspatron, er war vorwiegend in der Gegend rund um Ravenna tätig, seine Aktivitäten trieb er vor allem in der Region um Bagnacavallo. Nach zwei Jahren an einer Privatschule und einem kurzen Intermezzo als Fährschiffer hat sich Pelloni dem Brigantentum zugewandt. Er wird auch „Robin Hood romagnolo“ genannt, berüchtigt ist er auch für seine Gefängnisausbrüche. Mit seinen Kumpanen besetzte er im Kampf gegen die Grossgrundbesitzer ganze Dörfer und überfiel Theater in welchem sich die adlige Oberschicht traf. Er war erfolgreich und gefürchtet und ist, im Kampf mit der Gendarmerie, einen Heldentot gestorben. Pelloni setzte sich über Konventionen hinweg und brachte die bestehende Herrschaft zum Zittern. In geschichtlicher Anlehnung gibt es heute das Langstreckenrennen „del Passatore“ von Florenz nach Faenza. Diverse Theaterstücke wurden dem Passatore ebenfalls gewidmet.